Die Geschichte der Österreichische Justizwache

Die Urahnen der heutigen Justizwache sind die Polizei und Militärwache, die 1851 in k.k. Militärpolizeiwachkorps  umbenannt wurden.   Als direkter Vorläufer gilt aber das  am 29. Juli1869 aufgestellte Militärwachkorps für die k.k. Zivilgerichte, gemeinhin schon in kurzer Zeit als "Justizwache" im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet.

Dieses Militärwachkorps war ausschließlich für die Bewachung der k.k. Zivilgerichte zuständig. Wie angeführt, stellte die Militärpolizeiwache, bereits 1775 neben ihrer Hauptaufgabe für den öffentlichen Sicherheitsdienst, die erforderlichen Kontingente für Wachen in den Gefängnissen ab. Die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in den Gebäuden oblag diesen Einheiten.

Für die Verpflegung und die Arbeitsleistung der Häftlinge waren jedoch die Aufseher zuständig, die der Militärpolizeiwache nicht angehörten. Seit 11.04.1856 gab es unter ihnen auch schon weibliche Aufseher! 

Im Übrigen: Die Verpflegung der Häftlinge, die anfangs nur aus Wasser und Brot bestand, lag bis 1879 ausschließlich in den Händen verschiedener Privatunternehmungen.

Den gesamten Exekutivdienst, wie Eskorten, Vorführungen und Ausführungen zu den verschiedenen Gerichten, Ämtern, Behörden und Krankenhäusern, sowie in andere Anstalten, hatte das Militärpolizeikorps durchzuführen.

Der Betreuungsdienst der Häftlinge oblag anderen Bediensteten, die die Arbeit der Häftlinge und den Werkstättendienst leiteten und die Verpflegung besorgten. Das Militärwachkorps bestand bis 30. April 1920. An diesem Tag erfolgte das Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes, womit die Bewachung oder grundsätzlich der Straffvollzug in der klein gewordenen Republik einem uniformierten und bewaffneten Wachkörper übertragen wurde.

Die heutige Bezeichnung Justizwache, obwohl sie bereits damals verwendet wurde, ist erst mit dem Inkrafttreten des Gehaltsgesetzes 1924, BGBl. Nr. 245 vom 18.07.1924 eingeführt bzw. offiziell umbenannt worden. Die Massa der ehemaligen Angehörigen des Korps als Beamte (zugleich auch dienstrechtliche Gleichstellung der Beamten mit jenen der anderen Exekutivkörper in Österreich) wurde übernommen und die Instruktionen den geänderten Gegebenheiten angepasst.

Es muss festgehalten werden, dass die Geschichte der Justizwache beinahe 100 Jahre mit jener der bisherigen Sicherheitswache (Bundespolizei) ident ist, da die angeführte k.k. Militärpolizeiwache von 1775 bis 1869 den Justizwachdienst mitvollzogen hat.

Die Uniform war lange Zeit dieselbe und ist es bis zum heutigen Tag geblieben, wenn auch die Aufschläge weinrot statt rubinrot sind, das Korpsabzeichen rund ist statt oval. Dies sind aber alles nur Unterscheidungshilfen für Kenner.

Langsam erhielt so die Justizwache die Form, die wir heute kennen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde zum ersten mal auch auf die Schulung der Beamten Wert gelegt. Vorher gab es, abgesehen von der Rekrutenausbildung in der k.k. Armee, von der ja die Angehörigen des Militärwachkorps fast ausschließlich übernommen wurden, nur das sogenannte "Selbststudium".

Für die vielen nicht mehr übernommenen reichsdeutschen Justizwachebeamten musste nach 1945 eine große Anzahl junger Hilfsjustizwachmänner aufgenommen werden. 

Um die Ausbildung und Weiterbildung zu gewährleisten, wird seit 1947 die zentrale Schulung aller Beamten in der Justizwachschule wahrgenommen, die wiederum Außenstellen in Graz-Karlau, Linz und Krems/Stein unterhält. 

Der heutige Justizwachebeamte hat sich vom reinen Bewacher, in seinen grundsätzlichen Aufgaben als Wachorgan, Erzieher, Werkstättenleiter, verwaltungs- und vollzugsdienstleistender Beamter, multifunktionell etabliert. In den derzeit 27 österreichischen Haftanstalten sind rund 3.200 Justizwachebeamte eingesetzt um ihren verantwortungsvollen, oft sehr schweren und gefahrvollen Dienst zu verrichten.

Die Justizwache ist seit der Strafvollzugsgesetzes-Novelle 1996 auch mit erweiterten Befugnissen als Exekutivorgan ausgestattet, wobei die Zuständigkeit über den Kreis der Häftlinge hinausgeht.